Egal was Du sagst, es gibt Momente, an denen Du merkst, dass Dir niemand zuhört. Das kann sowohl bei einem Vortrag, als auch im Gespräch sein. Sobald Du intensiver darauf achtest, wirst Du merken, dass nur wenige Menschen wirklich aufmerksam zuhören. Normalerweise wartet Dein Gegenüber in einem Gespräch einfach darauf, dass Du eine Pause machst und er sie füllen kann. Dabei kannst Du Deinem Gegenüber schon am Gesicht ablesen, dass er geistig überhaupt nicht anwesend ist – und Dir eben auch nicht zuhört. Bist Du jetzt einfach nur nicht interessant genug? Auch in Talkshows kannst Du beobachten, dass der Moderator etwas fragt – und die Gäste auf etwas ganz anderes antworten. Dabei sind interaktive Gespräche wichtig, sowohl in den privaten Beziehungen, als auch im beruflichen Umfeld.

Was ist am Zuhören so schwer?

Wer miteinander spricht, tauscht nicht einfach Worte aus. Sondern einer redet und trifft mit den Worten aus seinem eigenen Blickwinkel auf den Blickwinkel des anderen. Jeder Mensch hat sein ganz eigenes Bild von der Welt und teilt dieses mit Hilfe von Worten seinen Zuhörern mit. Doch diese haben in den meisten Fällen ein anderes Bild von der Welt. Wer sich – wie die meisten Menschen – mit seinem Bild von der Welt identifiziert, hat es schwerer, einem anderen Menschen zuzuhören. Schließlich berichtet dieser ja von einem anderen Bild, das nicht unbedingt zum eigenen Bild passen muss. Wer aber zuhören will, muss sich dabei von seinem eigenen Bild lösen, damit er den Standpunkt seines Gegenübers überhaupt wahrnehmen kann. Schafft er das nicht, entsteht kein Gespräch, sondern jeder führt seinen eigenen Monolog und kämpft gegen den Standpunkt des anderen.

Zuhören kann so einfach sein:

– Den eigenen Standpunkt zurücknehmen!
Der Beginn: „Ich sehe das aber ganz anders“ leitet eine Meinungsäußerung ein, mit dem sich jedes Gespräch gut abwürgen lässt. Ab dann kämpfen beide Gesprächsteilnehmer darum, dass ihr ganz persönlicher Standpunkt der einzig Richtige ist. Wer seine eigene Meinung dagegen für eine Weile zurückhalten kann, dem können sich neue Welten öffnen. Vielleicht führt ja der Weg zu einem anderen Standpunkt auch zu neuen Erkenntnissen?

– Unterschiede zulassen!
Jeder Mensch hat die Tendenz, sich mit Menschen zu befreunden und umgeben, die ähnliche Werte schätzen, ähnliche Interessen haben oder das gleiche Hobby pflegen. Es gilt auch hier: Wer über den Tellerrand hinausguckt und sich mit Menschen unterhält, die unterschiedliche Interessen haben, kann daraus einen Gewinn ziehen. Für Paare ist die Fähigkeit, die unterschiedliche Wahrnehmung beider Partner zu ertragen, eine Kernkompetenz. Verfügen sie darüber nicht, dominiert einer der beiden – oder die Beziehung wird auf Dauer schwierig.

– Weiterführende Fragen stellen!
Damit ein Gespräch nicht nur die Themen streift, die allen Teilnehmern bereits gut bekannt sind, müssen intelligente Fragen gestellt werden. Der Antwortende darf hierbei auch durchaus erst einmal nachdenken. Mit dem Interesse wird zudem signalisiert, dass das Zuhören gelingt.

– Keine Wertungen!
Schon als Kinder lernen wir, dass alles bewertet wird: Etwas ist gesund, richtig, anständig oder schlecht und miserabel. Diese Bewertungen bringen jedes Gespräch zum Stillstand. Entweder fängt das Gegenüber an, sich zu verteidigen oder es verstummt. Doch Zuhören lässt sich lernen.