Berufswunsch Digital Nomad

In Zeiten der Digitalisierung steigt die Attraktivität des flexiblen Arbeitens ohne geographische Gebundenheit. Die einfache globale Vernetzung ermöglicht durch den technischen Fortschritt ein Umdenken in der Arbeitsweise.

Während eines Auslandaufenthalts in einem weniger luxuriösen Hostel in Thailand in Strandnähe hat alles angefangen. Damals stand Julia vor den letzten Schritten zum Abschluss ihres Bachelorstudiums im Fach Online Medien Management in Stuttgart. Nie hätte sie gedacht, dass dieser Urlaub ihre komplette Denkweise des heutigen Arbeitslebens auf den Kopf stellen würde.

Digitales Nomadentum – das Thema geriet in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund. Diverse Blogbeiträge, Youtube Videos oder Instagramprofile bauen auf der Idee des #Digitalnomads auf und verbreiten ein Interessen ausgerichtetes Idealbild des Arbeitens von Morgen. Menschen, die mit ihrem Laptop durch die Welt reisen und ausschließlich digital arbeiten. Sie geben vor, mehr Einkommen als je zuvor zu erwirtschaften und stehen stellvertretend für Freiheit und Flexibilität. Viele lassen sich auf diese Illusion ein und setzen sie in die Realität um.

Sie erwarten ein Leben im Paradies, der Tagesablauf ist geprägt von Freizeitaktivitäten.

Warum aber ist dieser Ansatz des Arbeitens für so viele interessant? Warum zieht es Julia nach ihrem Studium in die weite Welt?

Wodurch hattest du deinen ersten Berührpunkt mit der Thematik des Digital Nomads?

Während meines Studiums hatte ich die Möglichkeit ein Semester im Ausland zu verbringen. Seit ich auf eigenen Beinen stehe, ließ ich keine Möglichkeit aus, auf Reisen zu gehen. Ein Hochschulstudium bietet grundsätzlich einiges an freier Zeit. Mich haben fremde Kulturen und Menschen interessiert und ich genieße die Möglichkeit, ständig weiterzuwachsen und meinen Horizont nicht nur auf das schöne Stuttgart zu beschränken. In einem Hostel in Thailand machte ich Bekanntschaft mit jemandem, der sich als „Digital Nomad“ betitelte. Brandon’s Heimat ist Texas und irgendwann hatte er seinen Bürojob in einer Werbeagentur satt. Er stieg aus dem Hamsterrad aus, kündigte seinen Job und seine Wohnung, packte seinen Laptop und buchte sich ein One Way Ticket nach Thailand. Ich treffe ihn in einem Hostel, er war gerade dabei sich einen Onlineshop aufzubauen, um passives Einkommen zu erwirtschaften. Brandon war eine sehr bereichernde Begegnung.

Was bewegt dich dazu den Schritt in das digitale Nomadentum zu gehen?

Brandon strahlte über beide Ohren als er mir von seinen Plänen erzählte und ich hatte das Gefühl, er weiß genau welche Ziele er im Leben verfolgt. Das Satthaben seines Bürojobs konnte ich bereits zu dieser Zeit bis zu einem gewissen Ausmaß nachvollziehen. Seine Euphorie steckte mich an. Zurück in Deutschland ließ mich die Geschichte nicht mehr los und ich informierte mich genauer über das Thema des ortsunabhängigen Arbeitens. Natürlich gibt es mittlerweile einige Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern die Möglichkeit des Homeoffices anbieten. Das ist derzeit aber eher die Ausnahme anstatt die Regel. Mein Studium im Medienbereich erschien mir als hervorragende Chance, unabhängig mit meinem Laptop zu arbeiten. Um meine Ideen umzusetzen, überlegte ich mir einige Strategien und Wege. Die Digitalisierung eröffnet der heutigen Generation Z fast unendliche Möglichkeiten – fast schon überfordernd. Den Schritt in das digitale Nomadentum zu gehen, ist ohne Frage risikoreich. Das Lösen von üblichen Denkstrukturen, die sich seit der Industrialisierung in unseren Köpfen verankert haben, erfordert Mut und Offenheit. Mir ist bewusst: Nicht alles ist Gold, was glänzt und dennoch stelle ich mir mein Leben flexibel und voller Freiheiten vor. Niemand weiß, was der morgige Tag für einen bereithält.

Wie hast du dein Leben als Digital Nomad vorbereitet?

Im ersten Schritt ist die Vorbereitung mit dem Loslassen verbunden. Als frische Bachelorette hat man noch nicht viele Verpflichtungen also sozusagen wenige Ankerpunkte. Meine Zeit im Wohnheim hat mir sehr gut gefallen – Gleichgesinnte, die erste eigene Wohnung und ich habe in meiner Zeit dort einige interessante Menschen mit den interessantesten Geschichten kennengelernt. Ein Sprichwort sagt: Man soll gehen, wenn es am schönsten ist. Ich habe mein geliebtes Zimmer hinter mir gelassen und meine Besitztümer auf das Volumen eines Backpackerrucksacks beschränkt. Der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung ist wichtig sowie eine ungefähre Vorstellung von den Ansprüchen an das Zuhause im Ausland. Natürlich steht ganz weit oben auf der Liste auch deine Idee, wie du digital arbeiten kannst. Ich habe mich auf die Selbstständigkeit im Grafikdesign spezialisiert.

Sehr interessant. Welche Herausforderungen können deiner Meinung nach in der Zukunft bei so einem Lebens- und Arbeitsstil entstehen?

Die größte Herausforderung ist wohl, dass das Bild eines Digital Nomads aus den Medien nicht immer mit der Realität übereinstimmt. Ich bin mir bewusst, dass auch harte Zeiten auf mich zukommen, in denen ich Geldsorgen habe oder eine Auftragsflaute. Ich weiß aber, warum es sich für mich gelohnt hat. Ich genieße die ultimative Freiheit – die ist beängstigend und wahnsinnig befreiend zugleich. Ich werde meine Freunde und Familie sehr vermissen, weiß aber auch, dass ich mich jeden Tag in den Flieger setzen könnte und in mein altes Leben zurückgehen kann.

Deine Tipps an zukünftige Digital Nomads?

Mein Tipp an jeden, der mit dem Gedanken spielt, diese Lebens- und Arbeitsweise anzugreifen: Einfach machen! Einfach mal der eigenen inneren Stimme vertrauen. Wenn es am Ende schief geht, dann hat man es wenigstens versucht. Man sollte sich aber auch zu jeder Zeit im Klaren sein, welche negativen Faktoren vorhanden sein können und den Moment genießen.

Wir wünschen Julia für die Zukunft alles Gute und freuen uns, dass sie mit ihrer mutigen Art und Weise das Risiko eingeht und ihren Traum verwirklicht.